Wir zeigen auf dieser Seite Ideen, die als Vorbild dienen, die Inspiration liefern und aufzeigen, wie die Mobilitätswende gelingen kann. Und wir lösen weit verbreitete ÖPNV-Irrtümer auf.
Wenige Haltestellen, kurze Reisezeiten und ein besserer Anschluss an die Schiene: Seit Juni 2022 sorgen XBusse im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) für einen hochwertigen und zeitgemäßen Schnellverkehr.
Die Vestische stellte das neue Angebot im Mai 2022 vor. Mit den Expressbussen bekommen vor allem Pendler*innen in Städten ohne eigenen Bahnhof und in ländlichen Regionen eine lohnende Alternative zum Auto.
Die Vestische betreibt die Linie X13 zusammen mit der DSW21. Sie verbindet Datteln über Waltrop, Dortmund-Mengede, Dortmund-Huckarde, Dortmund-Dorstfeld mit dem Dortmunder Technologiezentrum und dem Dortmunder Universitätscampus. Die Linie X42 der Vestischen und der STOAG verkehrt zwischen Oberhausen, Oberhausen-Sterkrade, Bottrop-Kirchhellen, Dorsten/Bottrop-Feldhausen und dem Movie Park Germany. Auf beiden Linien ist der Zuganschluss u. a. in Richtung Duisburg und Düsseldorf möglich.
Im November 2019 hat der Kreistag Recklinghausen einstimmig zehn Maßnahmen zur Umsetzung des Vestischen Klimapakts festgelegt. Anschließend beschloss der Aufsichtsrat der Vestischen, die Verkehrswende in der Region durch neue Buslinien und Taktverdichtungen sowie Gutachten zu Beschleunigungsmaßnahmen und einen Testbetrieb von Wasserstoffbussen voranzutreiben, und setzte damit ein weiteres Zeichen in Richtung Nachhaltigkeit.
Regionale Verabredungen wie der Vestische Klimapakt sind heute so relevant wie nie zuvor. Daran haben auch Pandemie und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine nichts geändert. Natürlich: Die kommunalen Finanzhaushalte sind angespannt. Aber die Kosten, die langfristig entstehen, wenn wir auf der lokalen Agenda nicht handeln, können längst nicht nur in Euro bemessen werden, sondern betreffen vielmehr unsere Gesundheit und Lebensgrundlage.
Mit dem Pakt haben sich die Kommunen zur Realisierung folgender Maßnahmen verpflichtet:
- Umfassendes Klimaschutzkonzept erarbeiten
- Klimaschutz in Vorlagen berücksichtigen
- Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs erhöhen
- Nutzung des Radverkehrs im Kreis stärken
- Kreis-Gebäude für erneuerbare Energien nutzen und ressourceneffizienter machen
- Bäume auf kreiseigenen Flächen pflanzen und die Artenvielfalt stärken
- Arbeitsbedingungen anpassen, Fahrten vermeiden, Beschaffung verändern
- Umweltbildung stärken
- Wirtschaft einbinden
- Gesamtprozess koordinieren, Bürger*innen einbinden
Die gute Nachricht: Unabhängig von politischer Couleur stehen die politischen Entscheidungstragenden in der Emscher-Lippe-Region für eine nachhaltige Entwicklung ein. Kommunaler Klimaschutz und Mobilität gehören dabei zusammen. Taktverdichtungen und Anschlussverbesserungen sowie das Bekenntnis zu weiteren Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr sind wichtige erste Schritte. So wie beim SB25, der seit Januar 2021 auf der zentralen Achse zwischen Dorsten, Marl und Recklinghausen alle 15 Minuten fährt.
Die Frage ist also nicht, ob die einzelnen Punkte des Vestischen Klimapaktes umgesetzt werden, sondern: Wie? Die kommenden Jahre bieten die Chance, die Zukunft im Vest nachhaltig zu gestalten und die Versprechen des Vestischen Klimapaktes einzulösen.
Die französische Stadt Metz hat in den zurückliegenden Jahren ihren öffentlichen Nahverkehr revolutioniert.
Mit Doppelgelenkbussen auf eigenen Trassen und einer konsequenten Umgestaltung des Stadtraums zugunsten des ÖPNV wurde die Mobilität in Metz auf den Kopf gestellt. Unter dem Namen METTIS ging 2013 ein Bus Rapid Transit-System (BRT) an den Start: Zwei Linien durchqueren das Stadtgebiet mit insgesamt 39 Haltestellen und befördern mittlerweile über 23 Millionen Fahrgäste pro Jahr.
Wir haben uns auf den Weg nach Metz gemacht und die Mobilitätswende vor Ort selbst zu entdecken.
Die Widerstände und Bedenken waren zu Beginn groß: Einzelhändler fürchteten um ihre Umsätze während der Bauzeit, Anwohner um ihre Ruhe, Kämmerer um ihre Budgets. Doch seit 2013 hat sich METTIS zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt:
- Die Fahrgastzahlen sind seit Beginn konsequent gewachsen, zwischen 2018 und 2019 stieg der Verkehr auf den Linien nochmal um 5,3%.
- 80% der Arbeitsplätze und fast die Hälfte der Schulen werden mit METTIS erreicht.
- Der Autoverkehr ist um 10% zurückgegangen.
Wie konnte das gelingen?
Die Grundlage für den Erfolg war der Mut, den Umbau mit aller Konsequenz zu denken und umzusetzen. Die Verantwortlichen standen hinter der Vision für den ÖPNV. Der Bürgermeister und die Politik wollten das Projekt und waren der Motor für die Realisierung. Die Veränderungen im Stadtbild sind deutlich zu sehen: Straßen und Plätze wurden umgestaltet, der Raum für den ÖPNV und die Menschen ausgeweitet.
Es brauchte Ausdauer und ein klares politisches Statement. Aber am Ende steht: Die Mobilitätswende ist für Metz und für die handelnden Personen ein Gewinnerthema.
Bitte beachten: Dieser Film stammt aus dem Jahr 2019.
Busse und Bahnen kosten die Kommunen Geld, denn ein flächendeckender öffentlicher Personennahverkehr ist nicht ohne Subventionen möglich. Aber: Die Steuerzahlenden unterstützen auch das Autofahren – und zwar erheblich.
Der motorisierte Individualverkehr (MIV) erhält höhere finanzielle Zuwendungen als Bus, Rad- und Fußverkehr zusammen.
Wie kommt das?
Der Autoverkehr verursacht zahlreiche versteckte Kosten. Ob für die Instandhaltung der Straßen oder die Erweiterung von Infrastruktur: Die Gesellschaft subventioniert den MIV an vielen Stellen mit Steuergeldern. Die Folgen für den Klimaschutz, die Luftqualität und damit die eigene Gesundheit trägt die Gemeinschaft ebenfalls. Die genauen Ausgaben ließen sich allerdings bisher kaum exakt beziffern. Das hat sich geändert. Mit einem Berechnungstool, das Faktoren wie finanzielle, gesundheitliche, soziale und ökologische Kosten einbezieht.
Was kostet Mobilität?
Entwickelt hat die Methode Prof. Dr. Carsten Sommer mit seinem Team der Universität Kassel, vier Städte testen sie. Die Berechnungen belegen: Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist für Kommunen wesentlich günstiger als der MIV, weil er mehr Menschen bei geringerer Umweltbelastung bewegt. Gleiches gilt natürlich für den Rad- und Fußverkehr. „Das Tool bietet Kommunen aussagekräftige Kennwerte, anhand derer sie ihr Verkehrssystem ökonomisch bewerten können“, erklärt Sommer.
„Das gab es davor nicht, es wurde immer nur mit Kosten einzelner Maßnahmen argumentiert. Im betriebswirtschaftlichen Vergleich wurde deutlich: Der größte absolute Zuschussbedarf besteht in der Regel im Pkw- und Lkw-Verkehr. Die Kostendeckung ist in beiden Systemen zudem deutlich geringer als im ÖPNV.“ Während der MIV im jährlichen Durchschnitt Steuergelder von 200 Euro pro Person verbraucht, entfallen nur 171 Euro auf den wesentlich umweltschonenderen ÖPNV.
Ein Schub für die Verkehrswende?
Vorher war also meistens gar nicht klar, wie viel uns Steuerzahlende Auto-, Bus- und Fußverkehr kosten. Die Argumente blieben schwammig. Jetzt bekommen die politischen Ziele für Stadtplanung, Klimaschutz oder Gesundheit durch die Berechnung eine neue Basis: „Eine Kommune kann das Tool nutzen, um herauszufinden, wie viel das einzelne Verkehrssystem kostet“, erläutert Sommer. „Wichtig ist hierbei, dass die Kommunen sich nicht mit anderen vergleichen, dafür sind die Gegebenheiten meist zu unterschiedlich. Das Tool dient vor allem zum Vergleich einer zielorientierten Weiterentwicklung der eigenen Kommune.“
Also eine Methode, die die Verkehrswende unterstützt? Sommer nickt. „Raum- und Verkehrssysteme müssen stärker als bisher soziale Teilhabe für alle gewährleisten. Dazu können der ÖPNV, der Rad- und Fußverkehr einen wesentlich größeren Beitrag leisten als der private Pkw. Vielleicht kann das Tool den Ausbau des ÖPNVs und der Radwege beschleunigen, sodass die Menschen aufgrund attraktiver Alternativen öfter aufs Auto verzichten.“
Wie kann die Stadt der Zukunft aussehen?
Mit dem Berechnungstool wird deutlich, dass die Verkehrswende neben sozialen, ökologischen und gesundheitlichen Folgen auch finanzielle Vorteile für Kommunen haben kann. Sommer zeichnet ein Bild der Zukunft: „Ich wünsche mir weniger Autoverkehr; dass die Menschen sich mehr selbst aktiv bewegen, weil es gesund ist und Spaß macht. Vor allem dann, wenn die Infrastruktur und die öffentlichen Räume dazu passen. Meine Stadt der Zukunft hat viel mehr Fläche zum Aufenthalt, zur Kommunikation, zum Spielen für Kinder, ist grüner und ein Ort zum Wohl- und Sicherfühlen. Das gilt auch für die Region und die Dörfer. Wenn Menschen sich draußen bewegen, gibt es eine höhere soziale Sicherheit. Der ÖPNV, eigentlich aber der öffentliche Verkehr insgesamt, ist ein ganz entscheidender, wenn nicht sogar der entscheidende Baustein für die Lösung der verkehrsbedingten Klimaschutzprobleme.“
Prof. Dr. Carsten Sommer ist Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrssysteme am Fachbereich Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen der Universität Kassel. In zwei Studien entwickelte er mit seinem Team ein Tool, mit dem Kommunen die Kosten für verschiedene Verkehrssysteme verursachergerecht aufschlüsseln können.